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  • Bücher, schnell gelesen: 1.867

    Bücher, schnell gelesen: 1.867

    Ron Currie – Die Patin von Maine (btb, 2026)

    Gelesen: 16. – 24.10.2026 (netto 401 Seiten)

    Aus dem Englischen von Stephan Glietsch.

    Ich habe lange nicht mehr ein Buch gelesen, das so schnell auf Tempo kommt:

    Es beginnt mit einer Reise durch die Jahrhunderte, in der taffe Frauen in die Kolonien auf dem Nordamerikanischen Kontinent auswandern bzw. dort ums Überleben kämpfen, bevor der Fokus auf das 20te Jahrhundert schwenkt.

    Hier begegnen wir auch der Titelfigur Babs Dionne, die 1968 erst 14 Jahre alt ist. Fast-Forward nach 2016 und Babs ist stolze Bewohnerin des Stadtviertels „Little Canada“ und hält ihr franko-amerikanisches Erbe hoch. Daneben leitet sie ein lokales Drogennetzwerk, in dem ihre beiden Töchter Sis und Lori – ebenso wie ihr Sohn, bevor er im Ersten Golfkrieg fiel – als ihre engsten Vertrauten fungieren.

    Doch Sis ist verschwunden. Lori, eine Veteranin des Afghanistan-Krieges, die mittlerweile selbst von Opioiden abhängig ist, setzt alles daran, sie zu finden. Wir begegnen Lori erstmals, als sie in der Toilette einer zwielichtigen Bar an einer Überdosis zu sterben droht – doch glücklicherweise kann sie wiederbelebt werden.

    (c) btb Verlag 2026

    Was sie später kein Stück davon abhält in größter emotionaler Not wieder auf die Flügel von Heroin zu setzen.

    Während Babs versucht mit Ihren Freundinnen das kleine Drogenimperium zu halten, versucht sie mit dem Geld Gutes für ihre kleine Gemeinde zu tun. Cops – sind abhängige Freunde resp. Lover. Konkurrenten werden klein gehalten. Diebe werden bestraft. Familie geht vor. Der Pfarrer nimmt die Beichte und will eigentlich nichts wissen.

    Aber irgendwie geht alles den Bach runter, denn Drogen sind nun mal ein schmutziges und überaus tödliches Geschäft. Und das kleine Geschäft von Babs möchte ein größerer Fisch aus Kanada zu gerne schlucken. Und schickt einen namenlosen Killer.

    Wie das ganze ausgeht verrate ich nicht, aber es ist mega spannend und das Buch ist einfach ein echter Page-Turner.

    Tempo, Härte, Street Credibility – alles da. Vor allem der namenlose Killer “Der Mann” ist eine großartige Figur, ebenso das tatsächliche Drogenelend von Lori. Alles fühlt sich real und echt an.

    Downhill galore!

    Perfekt! Hoffentlich kommt da noch mehr.

    Soundtrack dazu: The Haskels – Baby Let’s French, was sonst?

    PS: Wenn man ein wenig über Waterville, Maine – den Schauplatz dieser Geschichte und Curries Heimatstadt – recherchiert, stellt man fest, dass Little Canada ein realer Ort ist (und es gibt in ganz New England weitere, ähnliche Little Canadas, in denen franko-amerikanische Traditionen bis heute gepflegt werden). Dort herrschen zudem ähnliche Probleme mit Drogen und Armut, wie sie im Buch geschildert werden.

    PPS: Warum muss das deutsche Cover unbedingt eine stilisierte alte Dame zeigen? Das Original …

    (c) Penguin Random House 2025

  • Bücher, schnell gelesen: 1.866

    Bücher, schnell gelesen: 1.866

    Frak Göhre – Sterne im Staub (Culturbooks, 2026)

    Gelesen: 15.10.2026 (netto 158 Seiten)

    Frank Göhre wird demnächst 83, da ist ist Zeit für eine Autobiographie. Aber die ist dann doch ein wenig anders als bei den meisten…

    … zum einen ist sie schlank (wie die meisten seiner Bücher), zum anderen schlicht eine Hommage an seine Lieblingsautoren.

    Ich schätze ihn als einen meiner deutschen Lieblingsautoren und bin daher ganz verzückt, wie oft wir übereinstimmen:

    Linda Barnes – hab ich komplett gelesen (musste aus Platzgründen weggegeben werden)

    William Boyle – steht hier komplett

    Edward Bunker – hui, muss ich ran, ist mir neu

    Robert Crais – steht hier auch, aber leider nicht komplett

    Friedrich Glauser – wurde ich nicht mir warm

    Sue Grafton – muss ich offensichtlich noch ran

    Victor Headly – die Yardie Trilogy ist einer meiner Lieblingsserien, beste Unterhaltung und beinhart

    Tony Hillerman – steht hier fast komplett

    Chester Himes – steht hier fast komplett

    Eugene Izzi – ist mir komplett neu, muss ich lesen

    Tom Kakonis – ist mir komplett neu, muss ich lesen

    Anne LeClaire – ist mir komplett neu, aber wohl nicht mein Ding

    Elmore Leonhard – steht hier fast komplett

    Ed McBain – zum Teil gelesen, aber nicht komplett

    Ross Macdonald – hab ich komplett gelesen (musste aus Platzgründen weggegeben werden)

    Margaret Millar – Frau von Ross Macdonald, übersehen

    L.A. Morse – ist mir komplett neu, muss ich lesen

    Reggie Nadelson – ist mir komplett neu, aber wohl nicht mein Ding

    Jerry Oster – steht hier komplett, großartiger und beinharter NYC Crime

    Maj Sjöwall – wurde ich nicht mit warm

    James Myers “Jim” Thompson – steht hier, aber nicht komplett

    Janwillem van de Wetering – wurde ich nicht mir warm

    Charles Willeford – steht hier komplett

    Und die Sterne im Staub? Frank Göhre nimmt uns mit zu den Orten seiner Lieblingsautoren, erzählt aus seinem Werdegang und bleibt dabei staubtrocken.

    Cooler Kerl!

    Soundtrack dazu: The Supertones – Blue Star Dust, was sonst?

    PS: Und Frank Göhre hat mit Stickel einen Film gemacht, wie cool ist das den!

  • Bücher, schnell gelesen: 1.865

    Bücher, schnell gelesen: 1.865

    Leye Adenle – Schatten der Schuld (InterKontinental, 2026)

    Gelesen: 08. – 14.10.2026 (netto 403 Seiten)

    Aus dem Englischen von Yasemin Dinçer.

    Das grandiose Finale der Lagos Trilogie. Oder aber auch nicht, wenn ich es recht gelesen habe hat Leye Adenle zumindest die Idee eine neues Amanka Buches im Kopf. Cool.

    Am Ende des 2te Bandes hatte sich Amanka nach London zu ihrem Freund gerettet. Und dort macht sie dass, was sie in Lagos auch gemacht hat – ein Auge auf Frauen haben, die ausgebeutet werden. Und das befeuert ihr Heimweh.

    Als dann ihre Freundin Funke anruft, die gerade in einem Luxushotel einen Doppelmord (ihr Sugardaddy, ein Pastor, und seine Frau wurde hingerichtet) erlebt hat und sich vor den Killern im (!) Sofa versteckt hat … da bucht Amanka den nächsten Flug nach Lagos um sie zu retten.

    Sie schafft es Funke irgendwie zu retten und auch wieder nicht. Denn im Grund landen beiden Knietief im Sumpf: Drei Linien kreuzen sich und sie haben drei Gangs an der Backe…

    … eine Kirche, das Hauptthema im Buch, die natürlich ihre Schafe ausnimmt und ordentlich Geld für ein gutes Leben und überhaupt auf die Seite (und ausser Landes schaft).

    … die Sicherheitsorgane, sei es Polizei oder Geheimdienst, die die Kohle lieber selber einsacken wollen.

    … Kolumbianische Drogenschmuggler, die den Privatjet der Kirche als Transportvehikel benutzen (und die amerikanischen Piloten kontrolieren)

    Ach ja, die Piloten (ex-US Militär, was sonst), wollen eigentlich die ganze Kohle selbst einsacken.

    Und um was geht es? 100 Millionen Dollar.

    Puh, da werden so einige zu Egoisten!

    Die ersten beide Bände waren gut, aber auch ein wenig zu voll. Hier ist das Ziel zum ersten Mal klar und der Leser kann alle bei der Suche nach der Kohle verfolgen (ohne zu wissen wo sie ist).

    Und das macht dieses Buch besser als gut!

    Der eigentlich Reiz des Buches ist dabei das völlige über Bord werfen von Gesellschaftlichen Protokollen, Legalität, Fairplay und geradlinigen Abläufen. Als Leser habe ich habe das Chaos genossen und der Heldin die Daumen gedrückt – sie geht ihren eigenen Weg und weiß ganz genau, wie man das System für sich nutzt.

    Bis zum Schluss bleibt offen, wer am Ende die Nase vorn hat und wer auf dem stetig wachsenden Leichenberg landet – in diesem rabenschwarzen, rasanten und rundum unterhaltsamen Vergnügen.

    Mehr davon!

    Soundtrack dazu: No Guts, No Glory – The Priests, was sonst?

    PS: Und Leye zum Thema Kirche?

    Q: Pastor Frank leads/runs/manages a large church that mints money from donations and other services that it supplies, particularly to the rich. It has its own plane. Its congregation includes the minister of justice and many other senior individuals in the Lagos leadership. There’s plenty of politics. It seems to go far beyond religious activities. Are such religious organizations normal in Nigeria?

    A: Yes they are. We have an infestation of Pentecostal churches in Nigeria, and our politicians and other sundry criminals seem to trust that tithing ten percent of ill-gotten wealth somehow washes away the crime behind the money.

    Interview hier.