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  • Bücher, schnell gelesen: 1.830

    Bücher, schnell gelesen: 1.830

    Garry Disher – Zuflucht (Unionsverlag, 2026)

    Gelesen: 15. – 18.04.2026 (netto 321 Seiten)

    Aus dem Englischen von Peter Torberg.

    2018 hatte Garry Disher in Leiser Tod (aus der Challis / Destry Reihe) Grace in seinen Kosmos eingeführt: Eine ausgefuchste Einbrecherin ohne Vergangenheit, ohne Bezugspunkte und immer auf der Reise resp. Flucht.

    In Zuflucht gönnt Garry Disher Grace nun eine Hauptrolle. Und was für eine!

    Grace ist eigentlich weiter auf der Flucht und immer noch am Dinger drehen. Als sie beim ausbaldowern einer Option auf ihren alten Kumpel Adam trifft, nimmt sie Reißaus.

    Und macht aus der Not eine Tugend, nach der sie sich schon lange gesehnt hat. Unter falscher Identität wird sie sesshaft. Geht einem Job nach, wo sie ihre Expertise in Sachen “Wieviel ist das Wert?” einsetzten kann.

    Denn Erin, die Besitzerin von Mandell’s Collectibles (einem Antiquitätenladen), vertraut ihr. Und lässt sie machen.

    Allerdings geht Grace weiter auf Raubzüge um Geld reinzubekommen. Und dabei hat sie einen Fehler gemacht, sie hat durch Zufall einem Polizisten das Leben gerettet. Und sie ahnt, das der irgendwie versuchen wird sie zu finden … und daher über den in der Nähe stattgefundenen Raub stolpern wird.

    Garry Disher setzt perfekt eine ziemliche große Zahl von Handlungssträngen, so das der Leser alleine durch die Spannung die aus der Frage Wann wird sich das Kreuzen? bestens Unterhalten wird.

    Grace bleibt dabei eine sympathische aber mit null Moral agierende Figur. Offensichtlich hatte sie eine schwierige Kindheit im Pflegefamiliensystem und verbrachte ihre prägenden Jahre unter der Fuchtel eines korrupten Polizisten (siehe Leiser Tod).

    Sie wünscht sich ein anderes Leben, doch ihre alte Gewohnheiten und die Sicherheit ihres eigenen Kompass lassen sie wie ein Schiff auf Kurs bleiben, auch wenn es stürmt. Und wenn es fies kommt, dann kann Grace auch fies werden.

    Die Handlung ist komplex, aber nicht kompliziert, da Disher die verschiedenen Erzählstränge gekonnt zu einer stimmigen Geschichte verwebt. Das Tempo ist hoch, mit einer gelungenen Mischung aus Spannung, dramatischer Action und cleveren Wendungen.

    Unter anderem Erin entpuppt sich dabei als mehr als nur ein Opfer.

    Ein fesselnder und spannender Roman, dessen etwas abruptes Ende darauf hindeutet, dass Disher möglicherweise weitere Pläne mit Grace hat.

    Und das wäre perfekt!

    Soundtrack dazu: The Eastern Dark – Stay Sane Somehow, was sonst?

    PS: Und Garry so?

    PPS: Das deutsche Cover sieht nach KI aus (auch wenn die Tanke korrekt als AMPOL gebrandet ist) und ich finde es ehr … doof. Das Original sieht mal wieder besser aus!

    Garry Disher – Sanctuary (The Text Publishing Company, 2024)
  • Bücher, schnell gelesen: 1.829

    Bücher, schnell gelesen: 1.829

    Frauke Buchholz – Endzeit (Pendragon, 2026)

    Gelesen: 12. – 14.04.2026 (netto 312 Seiten)

    Der vierte Teil der Serie um Profiler Ted Garner. Schließt direkt an den 3ten Teil an und startet mit einem Big Bang:

    Skalpjagd endet am 03.10., Endzeit startet am 04.10. und geht nahtos weiter. Nur um auf Seite 35 quasi zu enden. Ted ist mit Sophie LeRoux, seiner quasi heimlichen Flamme und potentieller Fremdgehfehler in spe, essen und vor seinen Augen wird sie abgeknallt. Und später, im Hotelzimmer, findet er einen freundlichen Gruß der Mafia (der er zu sehr auf die Füsse getreten ist):

    Bon Voyage, Monsieur Garner.

    Das Buch spult dann 2 Jahre vor, Ted hat den Polizeidienst quittiert und sich als Paartherapeut selbstständig gemacht. Keine Gefahr mehr für sich, keine Gefahren mehr für seine Frau und die Kinder. Mental ist er ehr ein tablettenabhängiges Wrack, zynisch und … irgendwie gebrochen.

    Sein alter Chef bei der RCMP kommt bei ihm vorbei und bittet um Hilfe in einem Fall. Ted ist geschmeichelt und interessiert. Seiner Frau muss er ja nichts erzählen, das sind nur ein paar Stunden Arbeit.

    Pustekuchen!

    Aus einem brutalem Mord (Ehefrau und 2 Kinder mit einer Axt abgeschlachtet, Ehemann und das 3te Kind verschwunden) wird natürlich ein echter Fall, aus Hilfe wird echte Arbeit und volles Risiko für Ted.

    Der stümpert ehr durch den Fall, lebt seine Vorurteile gegen die Indigenen aus und bringt sich mit übersteigertem Ehrgeiz ehr in Gefahr.

    Aus dem Mord wird eine Entführung und aus der Entführung wird ein Showdown weit draußen im Nirgendwo. Das Ted nur dank Indigener Hilfe überlebt. Nicht ohne vorher seine Retter einmal schön durch den Vorurteilskakao gezogen zu haben.

    Irgendwie cool wie Frauke Buchholz aus einem professionellem Profiler im Polizeidienst einen uncoolen, voller Vorurteilen steckenden und in Sachen Motiv immer wieder falsch liegenden Anti-Helden macht.

    Ich hab mir am Ende fast gewünscht das nur das verschollene Kind ein Happy End bekommt, Ted kann ruhig draufgehen.

    Wie alle Bücher der Serie von ganz großer Tiefe durchzogen wenn es um die Indigene Bevölkerung, ihre Bräuche und ihre Natur resp. ihr Land geht.

    Die Lösung aber, die hat ein kluger Krimileser eigentlich schnell im Blick. Ted dagegen nicht. Auch ein spannender Plot im Plot.

    Ich bin jetzt ziemlich gespannt wie das in einem nächsten Band weitergehen kann. Eigentlich müsste Ted zuhause rausfliegen und als Polizist bei der RCMP in der Pampa Dienst tun. Und scheitern.

    Alkohol, Tabletten.

    Rettung? Muss in einer Schwitzhütte erfolgen!

    Soundtrack dazu: D.O.A. – Time Of Illusion, was sonst?

    PS: Der Showdown ist auf dem Great Slave Lake…

  • Bücher, schnell gelesen: 1.828

    Bücher, schnell gelesen: 1.828

    Matías Néspolo – 7 Arten eine Katze zu töten (Polar Verlag, 2026)

    Gelesen: 06. – 11.04.2026 (netto 187 Seiten)

    Aus dem Spanischen von Inka Marter.

    Buenos Aires, Ende der 1990er. Finanzkrise. Den Porteña und Porteño geht es schlecht, in den armen Barrios nimmt das Elend und die Gewalt zu.

    Gringo und sein Freund Chueco, beide Anfang 20, ahnen instinktiv das nur die Aufnahme in eine Gang ihnen eine Zukunft bieten kann. Von der Gesellschaft erwarten sie ehr nichts.

    Der Leser darf die Jungs begleiten und natürlich läuft das ganze nicht immer Rund: Klar bekommen sie ein paar Deals hin, können Konkurrenten abziehen und einen auf Groß machen.

    Aber Elend und Gewalt bleiben da und Gewalt erzeugt eben auch immer … Gegengewalt. Beide finden sich schnell in einem Bandenkrieg wieder, der nicht nur Menschen killt sondern auch die erste Liebe. Und Familien.

    Und über jedem Boss steht noch ein Boss, immer ein büschen fieser.

    Gringo ist ein wenig cleverer als sein Freund und überlebt, nur um in einen noch härteren Kampf zu geraten: An der Seite von Studenten gegen die Polizei.

    Und das bleibt auch der Kern der Geschichte: Vorwärts geht es nur Kampf um Kampf. Und aus dem Elend geht es nicht raus. Aber die Gewalt, die zerstört. Immer.

    Tolle Geschichte mit einer großartigen Sprache: Einfach, bildhaft, gewaltätig. Straßenjargon. Ungebildet.

    Die argentinische Antwort auf Jess Mowrys Oakland Rap (erschienen 1993 bei Rowohlt, Original 1990 als “Rats in the trees“). Und das ist immerhin eines meiner Lieblingsbücher.

    Ganz wunderbar!

    Soundtrack dazu: Attaque 77 – San Fermin, was sonst?