Blog

  • Bücher, schnell gelesen: 1.868

    Bücher, schnell gelesen: 1.868

    Timo Blunck – Neon Baby (Emons Verlag, 2026)

    Gelesen: 25. – 31.10.2026 (netto 406 Seiten)

    Das hätte ich nicht gedacht, Timo Blunck schafft es tatsächlich seinen kleinen (und fiesen) Erstling noch zu übertreffen, Chapeau!

    Die 100 Seiten mehr sind dabei super angelegt, es kommt trotzdem keine Langeweile auf. Nachdem Tom Mangold das erste Buch überlebt hat, klopft Gevatter Tod doch noch an seine Tür:

    Sein zukünftiger Schwiegersohn, Arzt, diagnostiziert das Meyer-Herzfelder-Syndrom. Die schlimmste Form der hochfunktionalen Depression. Die Super-Nova des Burn-outs.

    6 Monate noch, dann ist Feierabend!

    Tom interessiert das nur am Rande, er geht mit seinen Kindern auf die Piste, zu einem Neptun Riva Konzert. Der angesagteste Künstler. Und Nachbar von Tom. Und wie Tom bei einer Selbsthilfegruppe für Drogenabhängige.

    Aber dann kommt mal wieder was quer: Diesmal ein paar Leichen, verbuddelt in Cranz in einem Deich, rausgespült durch ein Unwetter.

    Und ab da nimmt ganz viel Unheil ganz viel Anlauf. Für Tom, für seine ex-Kollegin, für die Neon Babys, für Toms Tochter, für seine heimliche Liebe …

    … und für eine Bande reichtumsverwahrloster Milliardäre, die Menschenjagd als Sport betreiben. In der Lüneburger Heide.

    Und was mittendrin wie voll verzettelt rüberkommt läuft am Ende ganz wunderbar auf ein Finale hin. Mit Anlauf in die Fresse.

    Ebenso viel Gore wie der Erstling, blanke Gewalt, wiederlichste Arschlöcher und Vollpfosten – you name it, Timo got it!

    Und, das sagt auch Timo Blunck in einem Interview, es ist ein durch-und-durch politisches Buch: Eine Elite die sich über das Gesetz stellt…

    … gehört an die Wand gestellt.

    Wow, ich bin schlicht und einfach begeistert. Vor allem mit wie viel Liebe den Figuren Raum & Stimme gegeben wird, zum einem zB Hildegard Knef (der sprechende Hund aus dem ersten Buch) und zum anderen zB eine in Anglizismen plappernde Jugendliche, die exakt dann gemeuchelt wird, als das Lesen ihrer Anglizismen anfängt zu nerven. Nice.

    Weiter, immer weiter Timo!

    Soundtrack dazu: Big Balls & The Great White Idiot – Neon Life Light, was sonst?

    PS: Lass dich von Timo überzeugen!

  • … pure and raw energy help you through the week: Spucke and The Monsters!

    … pure and raw energy help you through the week: Spucke and The Monsters!

    It was exactly what i needed: After two weeks of suffering with a near death experience (aka man-flu) and a rather annoying start into the work week it was time to shake that off. Help would be coming from the great Spucke (can wait to see their LP appearing with the Shitshow LP at my doorsteps) paired with the crazy raw garage speed metal of The Monsters (outta dead boring Bern, Switzerland).

    Spucke kicked it off, unfortunately not in front of a fully packed Hafenklang. Because as far as i am concerned that is what they should be getting.

    Spucke (Hafenklang, Hamburg, 28.10.2026)
    (c) gehkacken.de 2026

    Besides the lights being rather shitty (drown-the-band-in-red it was) they delivered a perfect tight set. Their approach with almost everybody singing is just plain cool and makes listening to them more than worthwhile.

    Good news is that they are working on more vinyl and they went on to play some new songs. What did the lot get?

    They got this:

    Spucke – Setlist (Hafenklang, Hamburg, 28.10.2026 (c) gehkacken.de)

    I dig them ever since i saw then on the M/S Hedi, supporting Public House. I can only recommend to check them out and give their record a chance (and an order).

    Get your copy from La Pochette Surprise now! Best together with the Shitshow LP, that is a great Hamburg pairing!

    The Monsters next and they are around now for 40 years. 40 fucking years. Did not realize that one earlier, but here is what they set out to haunt:

    The Monsters – Setlist (Hafenklang, Hamburg, 28.10.2026 (c) gehkacken.de)

    From the start they delivered high speed raw garage with a great dose of mental errr metal. Or both. Total craze by off stage humble, shy and rather Swizz gentlemen. They had more people in front of the stage compared to Spucke, sure thing, they are a mainstay over here in Hamburg and at the Hafenklang.

    The Monsters (Hafenklang, Hamburg, 28.10.2026)
    (c) gehkacken.de 2026

    They tick so many boxes with me (surprising for a band themed by-and-large Garage) and one of those little bonuses is simply stage uniform: Not only the trio on stage, also their sound man comes as part of the package.

    But most importantly they also know how to kill it. Listen up youth!

    And yes, also cool is that all 3 front the stage. More bands that come in such minimum configuration should try that!

    They also came with their 10th and latest record in tow, a real trashy DIY & basement recording. And still very well capable in fucking shit up.

    Get it from Vooodoo Rhythm Records or get most of their back catalog from our trusted local dealer Sounds Of Subterrania!

    Perfect evening, though missing plenty of regulars. Only Luke held the flare (and the Jever) up. But for me it was just what i needed, taking the long trip home via public transport i was happy as a fuck and ready to take on fucking work on Thursday.

    On top i was lucky to capture the essence of The Monsters in a single shot – click to download the high res version.

    Gimme more of this, gimme so much more of this. Hard, loud, fast and raunchy. Thanks Hafenklang, again!

  • Bücher, schnell gelesen: 1.867

    Bücher, schnell gelesen: 1.867

    Ron Currie – Die Patin von Maine (btb, 2026)

    Gelesen: 16. – 24.10.2026 (netto 401 Seiten)

    Aus dem Englischen von Stephan Glietsch.

    Ich habe lange nicht mehr ein Buch gelesen, das so schnell auf Tempo kommt:

    Es beginnt mit einer Reise durch die Jahrhunderte, in der taffe Frauen in die Kolonien auf dem Nordamerikanischen Kontinent auswandern bzw. dort ums Überleben kämpfen, bevor der Fokus auf das 20te Jahrhundert schwenkt.

    Hier begegnen wir auch der Titelfigur Babs Dionne, die 1968 erst 14 Jahre alt ist. Fast-Forward nach 2016 und Babs ist stolze Bewohnerin des Stadtviertels „Little Canada“ und hält ihr franko-amerikanisches Erbe hoch. Daneben leitet sie ein lokales Drogennetzwerk, in dem ihre beiden Töchter Sis und Lori – ebenso wie ihr Sohn, bevor er im Ersten Golfkrieg fiel – als ihre engsten Vertrauten fungieren.

    Doch Sis ist verschwunden. Lori, eine Veteranin des Afghanistan-Krieges, die mittlerweile selbst von Opioiden abhängig ist, setzt alles daran, sie zu finden. Wir begegnen Lori erstmals, als sie in der Toilette einer zwielichtigen Bar an einer Überdosis zu sterben droht – doch glücklicherweise kann sie wiederbelebt werden.

    (c) btb Verlag 2026

    Was sie später kein Stück davon abhält in größter emotionaler Not wieder auf die Flügel von Heroin zu setzen.

    Während Babs versucht mit Ihren Freundinnen das kleine Drogenimperium zu halten, versucht sie mit dem Geld Gutes für ihre kleine Gemeinde zu tun. Cops – sind abhängige Freunde resp. Lover. Konkurrenten werden klein gehalten. Diebe werden bestraft. Familie geht vor. Der Pfarrer nimmt die Beichte und will eigentlich nichts wissen.

    Aber irgendwie geht alles den Bach runter, denn Drogen sind nun mal ein schmutziges und überaus tödliches Geschäft. Und das kleine Geschäft von Babs möchte ein größerer Fisch aus Kanada zu gerne schlucken. Und schickt einen namenlosen Killer.

    Wie das ganze ausgeht verrate ich nicht, aber es ist mega spannend und das Buch ist einfach ein echter Page-Turner.

    Tempo, Härte, Street Credibility – alles da. Vor allem der namenlose Killer “Der Mann” ist eine großartige Figur, ebenso das tatsächliche Drogenelend von Lori. Alles fühlt sich real und echt an.

    Downhill galore!

    Perfekt! Hoffentlich kommt da noch mehr.

    Soundtrack dazu: The Haskels – Baby Let’s French, was sonst?

    PS: Wenn man ein wenig über Waterville, Maine – den Schauplatz dieser Geschichte und Curries Heimatstadt – recherchiert, stellt man fest, dass Little Canada ein realer Ort ist (und es gibt in ganz New England weitere, ähnliche Little Canadas, in denen franko-amerikanische Traditionen bis heute gepflegt werden). Dort herrschen zudem ähnliche Probleme mit Drogen und Armut, wie sie im Buch geschildert werden.

    PPS: Warum muss das deutsche Cover unbedingt eine stilisierte alte Dame zeigen? Das Original …

    (c) Penguin Random House 2025